Der CDU- Kreisvorsitzende und Landtagskandidat, Prof. Dr. Michael Schierack, und der Geschäftsführende Pfar-rer der Ev. Kirchengemeinde St. Nikolai, Christoph Pol-ster, hatten am 22. September zu einer Podiumsdiskus-sion in die Cottbuser Oberkirche zu der Thematik „20 Jahre nach dem Mauerfall“ eingeladen. Den Fragen der Besucher stellte sich auch Arnold Vaatz MdB, Stellver-tretender Vorsitzender der CDU/CSU- Bundestagsfrak-tion und Sprecher für die Bereiche Aufbau Ost, Men-schenrechte und humanitäre Hilfe, wirtschaftliche Zu-sammenarbeit und Entwicklung. Pfarrer Polster hatte sich in den letzten Jahren der DDR in der Friedensbe-wegung „Schwerter zu Pflugscharen“ engagiert, Arnold Vaatz war 1989 Pressesprecher des Neuen Forum und in der DDR wegen Reservewehrdienstverweigerung 1982/83 im Stahlwerk Unterwellenborn in Haft. Micha-el Schierack erlebte den Tag der Maueröffnung als 21-jähriger Student hautnah in Berlin.
Als Ausgangspunkt für die Diskussion wählte der Cott-buser Kreisvorsitzende die Ergebnisse einer Studie der Freien Universität Berlin, die der Politikprofessor Klaus Schroeder als „erschütternd“ bezeichnete. 2.350 Schüler der Klassenstufen 9 und 11 aus dem Ost- und Westteil Berlins wurden nach ihren Geschichtskennt-nissen über die DDR und das geteilte Deutschland in-tensiv befragt. Über 2/3 der Schüler konnten lediglich die Hälfte der Fragen beantworten, knapp 50% im Ost-teil fanden das DDR- System besser als das in der Bun-desrepublik oder diesem gleichwertig. Der Diktaturcha-rakter der DDR wurde von der Mehrheit geleugnet.
Arnold Vaatz machte deutlich, dass eine „akademische Vermittlung“ bzw. lange Abhandlungen über Men-schenrechtsverletzungen oftmals über die Köpfe der Ju-gendlichen hinweggehen; vielmehr müsse man ihre Le-benswelten berücksichtigen.
Michael Schierack knüpfte an die Ergebnisse der Studie an und stellte die Campus Tour der Brandenburger CDU vor. So hatte er Cottbuser Schüler und die Initiatoren der Reihe, den CDU- Generalsekretär, Dieter Dombrow-ski, und die Fraktionsvorsitzende im Landtag, Saskia Funck, ins Obenkino eingeladen. Nach dem preisge-krönten Politikdrama „Das Leben der Anderen“ disku-tierten sie und Zeitzeugen, die in Cottbus inhaftiert waren, mit den Schülern. Natürlich konnte man Einstel-lungen der Jugendlichen nicht sofort ändern, aber auf jeden Fall sie neugierig machen.
Eine große Bedeutung kommt, so Michael Schierack, bei dieser Thematik dem Menschenrechtszentrum Cottbus e.V. zu. Der Verein will die Geschichte der DDR- Haftanstalt, in der mehr politische Gefangene als in Bautzen inhaftiert waren und aus der Tausende in die Bundesrepublik verkauft wurden, aufarbeiten und da-mit einen Beitrag zur Versöhnung leisten.